• Claudio Großner

Runner’s High - Zu Gast im eigenen Körper

Aktualisiert: Feb 18


Heute geht es um den Walhai der Lauferlebnisse: das Runner’s High.

Warum Walhai?

Nun, ich bin nicht nur begeisterter Läufer, sondern auch begeisterter Taucher. Und bei beiden Sportarten gibt es gewisse Mythen. Man hört die Geschichten, sieht das Leuchten in den Augen der Leute die davon berichten.


Und doch:

man will es nicht glauben, bis man es selbst erlebt hat. Bei Tauchern ist der Walhai ein solcher Mythos. Ich kenne Taucher, die nach über 1000 Tauchgängen immer noch auf eine Begegnung mit diesem gigantischen Lebewesen warten. Im Gegenzug kenne ich auch einen Fall, in dem eine Bekannte bei ihrem allerersten Tauchgang vom Boot gesprungen ist, und auf dem Rücken eines Walhais gelandet ist.

Ähnlich verhält es sich beim Runner’s High, oder Läuferhoch. Wer mit dem Laufen anfängt kann in der Regel nur müde Lächeln über die Behauptung „Laufen macht glücklich“.

Sind wir doch ehrlich:

der Einstieg ist oftmals eine echte Schinderei. Wir laufen zu früh zu schnell, sind innerhalb kürzester Zeit völlig ausgepumpt, und bestaunen ratlos die selig lächelnden Gestalten, die uns lockeren Schrittes entgegenkommen. Die Lunge brennt, die Pumpe rast, die Oberschenkel ziehen. Das soll glücklich machen?


Es ist eine Sache, sich als Taucher entspannt ins Wasser gleiten zu lassen. Es ist aber eine ganz andere Herausforderung, sich als angehender Läufer Ziele zu setzen, und mit der nötigen Disziplin (und dem richtigen Training) auch irgendwann die gesetzte Ziellinie zu überqueren.

Hat man das dann aber irgendwann geschafft, dann stellen sich - zumindest nach meiner Erfahrung - schnell erste Erfolge ein.

Der Bewegungsablauf wird irgendwann zum Automatismus. Die Zeiten werden besser, die Distanzen größer. Und damit steigt auch das Glücksgefühl und der Stolz auf die eigene Leistung, wenn man mal wieder eine persönliche Bestmarke geknackt hat.

Alles schön und gut. Aber wo ist dieses vermaledeite Hochgefühl? Dieser Rausch? Diese unglaubliche Euphorie?


Laufen hat mir sehr schnell sehr großen Spaß gemacht, und ich kam auch recht zügig in den sogenannten „Flow“. Der tritt bei mir in der Regel nach Kilometer 7 auf, ich kann fast die Uhr danach stellen.

Ist der siebte Kilometer gelaufen, dann verselbständigt sich mein Fahrwerk. Die Beine übernehmen die Kontrolle und ab diesem Punkt scheint es völlig egal zu sein, ob ich zehn Kilometer laufe, oder einen Halbmarathon.


Und trotzdem: Runner’s HIGH?

Rauschgefühl, grenzenlose Euphorie, Kontrollverlust?

Bisher: Fehlanzeige.

Irgendwann kam dann die journalistische Neugier, und ich habe angefangen zu recherchieren. Demnach gibt es gute Chancen auf ein Runner’s High, wenn man mindestens 40 bis 60 Minuten läuft, und dabei an die Leistungsgrenze stößt. Besonders effektiv sind hier angeblich Bergläufe und Intervalle.

Aber ein Rausch mit Ansage?

Bestleistungen zu planen hat bei mir noch nie funktionieren. Jedes Mal wenn ich mit dem Ziel gestartet bin besonders schnell oder weit zu laufen, dann ging das ordentlich in die Hose. Der selbst auferlegte Druck hat alles zunichte gemacht.

Wenn ich allerdings ohne große Pläne und ohne Zeitdruck loslaufe, dann habe ich die nötige Lockerheit, und komme selten unter 18 Kilometer, und meistens mit traumhaften Zeiten nach Hause.

Aber scheinbar geht das Eine nicht ohne das Andere, wenn man diesen mystischen Rausch erleben möchte.

Dachte ich. Bis gestern.

Es war einer dieser Tage an denen ich mit der nötigen Zeit, aber ohne große Pläne losgelaufen bin. Das Wetter war gut, die Musik stimmte, und ich ließ mich treiben. Keine festgelegte Route, einfach drauf los. Mal diese Abzweigung, mal jener Waldweg, mal an diesem Weiher vorbei um den ich seltsamerweise noch nie gelaufen bin.

Irgendwann doch der Blick auf die Uhr:

gut 10 Kilometer gelaufen, ich fühle mich gut. Biegen wir hier doch nochmal auf eine Zusatzschleife durch den Wald ab.

Und kurz darauf hat mein Hirn den Turbo aktiviert!


Wir alle kennen diese Szene, wenn die Enterprise auf Warp-Geschwindigkeit geht. Die Sterne werden zu weißen Streifen, und das Schiff fetzt als blauer Streifen mit unfassbarer Geschwindigkeit durchs Universum.

Und genau so ging es mir. Von einem Moment auf den anderen war ich nur noch Gast im eigenen Körper. Warp 9 - Energie!

Die Optik schaltete auf Weitwinkel, die Bäume flogen links und rechts an mir vorbei. Die Beine liefen mit Maximaltempo auf Autopilot, ich hatte das breiteste Grinsen meines Lebens im Gesicht, und konnte gegen all das nicht das Geringste tun. Ich war nur noch Zuschauer, und dem Leistungswillen meines Körpers komplett ausgeliefert.

Was für ein Wahnsinnsgefühl!


Noch mal zur Erinnerung: als ich das letzte Mal auf meine Uhr gesehen habe, war ich bei gut zehn Kilometern Strecke. Als dieser Wahnsinn langsam wieder abflaute hatte ich 14 Kilometer auf dem Display, war also rund eine Viertelstunde wie der Roadrunner auf Speed durch den Wald gerannt. Es war einfach unglaublich!


1000 Tauchgänge und ein Walhai.

Oder: 12 Jahre Laufen, und das erste Runner’s High.

Aber wie geht das jetzt weiter?

Wer beim Tauchen seinen ersten Walhai gesehen hat, der hat noch lange keine Garantie auf den zweiten.

Wer bei diesen Büchern mit den skurrilen 3D-Bildern lange genug geschielt hat, muss dagegen nur weiter blättern, und wird die meisten Motive erkennen.

Ein Sechser im Lotto ist in der Regel ein einmaliger Glücksfall. Wer aber einmal den Muskel gefunden hat, um mit den Ohren zu wackeln, der wird das - sinnvoll oder nicht - sein ganzes Leben lang können.

Was ist also dieses Runner’s High?

Ist es der Walhai, oder das 3D-Bild?

Der Sechser im Lotto, oder der Muskel, der einfach nur endlich aktiviert werden musste?


Fakt ist:

das war geil, und ich will das wieder!


Schreibt mir gerne eure Erfahrungen mit der Suche nach dem heiligen Gral des Laufsports über Facebook, Instagram, oder per Mail.


Ich bin sehr gespannt!



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